VOM CHEF ZUM CHRAMPFER IM HINTERGRUND

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VOM CHEF ZUM CHRAMPFER IM HINTERGRUND

Christoph Stalder ist offiziell pensioniert. Doch wer meint, er habe die Arbeitshosen an den Nagel gehängt, täuscht sich. In der Stalder Innenausbau AG in Wädenswil ist er weiterhin präsent – nicht mehr an vorderster Front, sondern dort, wo Erfahrung zählt.

Stalder Innenausbau AG

Ende Januar ist Christoph Stalder in den Ruhestand getreten. Ein Begriff, der bei ihm eigentlich gar nicht passt. Denn weg ist er nicht. «Als Chef war ich vor allem am Schreibtisch, heute bin ich wieder mehr handwerklich tätig. Das mache ich auch am liebsten», sagt er. Er kümmert sich um die Liegenschaft an der Zugerstrasse 160, arbeitet im Hintergrund, hilft aus, wenn etwas oder jemand fehlt, oder schaut auf Wunsch auch bei einer komplexen Offerte nochmals drüber.

Christoph und Martin – ein perfektes Team
Im Tagesgeschäft ist er heute bewusst nicht mehr anzutreffen. Die Firma gehört inzwischen seinem Sohn Martin Stalder, der den Betrieb führt. Die Übergabe erfolgte schrittweise über mehrere Jahre. Vater und Sohn arbeiteten eng zusammen und teilten von Anfang an dieselbe Haltung. «Wir funktionieren und denken gleich, deshalb gab es nie grosse Differenzen. Zum Beispiel probieren wir zuerst aus, bevor wir sagen, es geht nicht. Alles andere wäre aufgeben», sagt Martin Stalder. «Das schätzen auch unsere Kundinnen und Kunden besonders.»

In den Anfängen: Christoph Stalder 1996.

Motto: «Es gibt immer eine Lösung»
Gegründet wurde das Unternehmen 1996 als Rusterholz + Stalder AG von Heinz Rusterholz und Christoph Stalder an der Einsiedlerstrasse. Im Jahr 2000 übernahm Christoph Stalder den Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Daniela vollständig. 2001 erfolgte die Umfirmierung zur Stalder Innenausbau AG. Heute zählt der Betrieb rund 36 Mitarbeitende. Verantwortung übernehmen, investieren, weiterdenken: Diese Haltung prägte das Unternehmen von Beginn weg. «Es gibt immer eine Lösung» war und ist die Devise. Mit dieser Haltung ist das Unternehmen stets gut gefahren. Unzählige Küchen und Möbel in Wädenswil und der Region stammen aus der Stalder-Werkstatt. So lieferte das Unternehmen in den letzten Monaten für die neue Überbauung Bruggeten in Samstagern mit 99 Wohnungen sämtliche Türen und Garderoben sowie einen grossen Teil der Innenausbauten.

Beinahe-Kurzarbeit
Krisen habe es in all den Jahren nur wenige gegeben, sagt Christoph Stalder. Zwei sind ihm aber noch sehr präsent. 2002/2003 stand das Unternehmen kurz davor, Kurzarbeit einzuführen. Die Formulare waren bereits ausgefüllt, bereit zum Abschicken. «Ich habe meiner Frau gesagt: Warte damit noch einige Stunden.» Und tatsächlich kam an diesem Freitagnachmittag der Anruf mit der Zusage für einen grossen Auftrag. Die Kurzarbeit konnte verhindert werden.

Bei seiner Verabschiedung erhielt Christoph Stalder unter anderem ein T-Shirt, das zeigt, was nun auf ihn zukommt.

Es brennt
Die zweite Krise liegt erst fünf Jahre zurück. In der Schreinerei brach ein Brand aus, kurz nach dem Umzug vom Tuwag-Areal in das neue Gebäude an der Zugerstrasse 160. Die gesamte Werkstatt war verrusst, bis zur letzten Schraube war alles schwarz. Sieben fertig gebaute Küchen mussten entsorgt werden, zehn Tage lang konnte nicht an Kundenprojekten gearbeitet werden. Der Gesamtschaden belief sich auf rund eine Million Franken. Was folgte, war eine Ausnahmesituation – und ein Team, das anpackte und funktionierte. Gemeinsam mit Fachleuten wurde gereinigt, gestrichen, geölt, jede Maschine auseinandergenommen und geprüft. Kundinnen und Kunden zeigten grosses Verständnis, andere Betriebe halfen spontan aus. Diese Solidarität habe enorm getragen, sagt die Familie Stalder.

30 Jahre Treue
Nicht nur Christoph und Daniela Stalder blicken auf 30 Jahre Engagement zurück. Auch die beiden Mitarbeiter Michael Schnüriger und Rico Meroni sind seit dem ersten Tag Teil des Unternehmens. Als sie angefangen haben, war der heutige Chef Martin Stalder gerade sieben Jahre alt. «Damals haben wir für ihn jede Woche mindestens ein Holzspielzeug aussägen müssen», erinnert sich Rico Meroni. Heute arbeiten die drei gemeinsam im Betrieb. Es ist ein starkes Zeichen für Loyalität, Zusammenhalt und einen besonderen Teamgeist.

Dass Christoph Stalder auch nach der Pensionierung zupackt, zeigte ein Projekt im letzten Sommer. Die gesamte Photovoltaikanlage auf dem Dach der Schreinerei installierte er selbst. Er verteilte 40 Tonnen Kies und verlegte 600 Solarpanels auf etwa 1000 Quadratmetern. «Ich hatte ja Zeit, und das Wetter war schön», sagt er mit seinem für ihn typischen Schmunzeln.

Abgabe fiel ihm nicht schwer
Der Übergang vom Chef zum Allrounder war ein problemloser Prozess. «Das Abgeben fiel mir nie schwer», sagt Christoph Stalder. Seine Frau Daniela bestätigt das. Er sei während der ganzen Zeit immer tiefenentspannt gewesen. Als Geschäftsführer sei das zwar oft, aber nicht immer der Fall gewesen. Er ging jedoch stets respektvoll und wertschätzend mit Mitarbeitenden sowie mit Kundinnen und Kunden um. Nicht umsonst gibt es im Betrieb viele langjährige Mitarbeitende und treue Kundschaft. Neben der handwerklichen Qualität hat immer auch der menschliche Aspekt gestimmt.

Ende Januar wurde Christoph Stalder mit einem Abschiedsfest von seinem Team, von Kundinnen und Kunden sowie Partnerinnen und Partnern verabschiedet. Aber eben: Verschwunden ist er deshalb nicht. Er sei fit wie ein Turnschuh, sagt sein Sohn Martin. Und er selbst betont, dass es immer Projekte gebe, an denen man arbeiten könne. «Das Leben hört ja bei der Pensionierung nicht auf.»

Stalder Innenausbau AG
Zugerstrasse 160
8820 Wädenswil

Tel. 044 783 87 87
innenausbau@stalder-ag.ch
www.stalder-ag.ch