MITTEN IN WÄDENSWIL WÄCHST EIN NEUES STÜCK STADT

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MITTEN IN WÄDENSWIL WÄCHST EIN NEUES STÜCK STADT

Auf dem Gessner-Areal ist der Grundstein gelegt. Wo 175 Jahre lang Seide gewebt wurde, entsteht ein Quartier mit 100 Wohnungen, neuen Läden und öffentlichen Plätzen – mitten im Zentrum, geheizt mit Wärme aus dem Zürichsee. 2028 kann man einziehen.

Anja Kutter

Der 18. September war ein Wendepunkt für das Gessner-Areal. Ein Jahr lang ging es nach unten. Es wurde abgebrochen, entsorgt, gesprengt, ausgehoben. Mit der Grundsteinlegung beginnt nun der Aufbau. Ab jetzt wächst hier etwas Neues heran. Vertreterinnen und Vertreter der Bauherrschaft, der Stadt und des Bauteams feierten diesen Moment gemeinsam und versenkten eine Zeitkapsel im Baugrund.

Für Nationalrat und Ex-Stapi Philipp Kutter ist das Projekt ein wichtiger Impuls für das Zentrum.

Was entsteht

Hier, im Zentrum von Wädenswil, entstehen fünf neue Mehrfamilienhäuser mit 100 Wohnungen, 1,5 bis 4,5 Zimmer gross. Insgesamt gibt es Platz für rund 175 Menschen. In den Erdgeschossen sind Läden und Gewerbe vorgesehen, rund 1000 Quadratmeter zusätzlich zu dem, was es im Einkaufszentrum «di alt fabrik» bereits gibt. Dazu kommen 250 Parkplätze. Die Gessner AG investiert über 80 Millionen Franken in das Projekt. Einziehen kann man ab 2028.

«Das Ende der Produktion war der Startschuss für die Neuentwicklung des Areals», sagte Damian Isler, Geschäftsführer der Gessner AG, an der Grundsteinlegung. Den Mieterinnen und Mietern, den Nachbarn und der Bevölkerung dankte er für die Geduld in den vergangenen Monaten.

Beim Befüllen der Zeitkapsel: Damian Isler (links) und Daniel Gardi vom Architekturbüro Hotz Partner.

Ein Bach und ein Weg durch das Areal

Für alle, die dort nicht wohnen werden, ist etwas anderes wichtiger: Das Gelände öffnet sich. Die frühere Fabrikstrasse, einst die Hauptschlagader des Industriebetriebs, kehrt als Fabrikgasse zurück. Als Weg und Blickachse quer durch das Areal. Oberhalb der alten Fabrik entsteht ein Quartierplatz, zudem wird ein Bach renaturiert.

«Es entsteht ein lebendiger Ort, mitten in Wädenswil, für Wädenswil», sagte Daniel Gardi vom verantwortlichen Architekturbüro Hotz Partner. Die Fassaden der Neubauten nehmen den Stil der historischen Gebäude auf: Klinkersockel, Backstein und Stoffmarkisen werden an die Textilgeschichte des Ortes erinnern.

Wohnungen, die gebraucht werden

Astrid Furrer, Stadträtin Planen und Bauen, gratulierte der Inhaberfamilie zu ihrem Mut und Durchhaltewillen. Wie fast überall im Kanton Zürich herrsche Wohnungsnot, sagte sie. Ehemalige Industrieareale seien die Flächen, auf denen sich daran etwas ändern lasse. Dem Stadtrat sei wichtig gewesen, dass gute Qualität zum Wohnen und Arbeiten entstehe.

Zusammen mit Vertreterinnen und Vertretern des Stadtrats und des Bauteams wurde der Grundstein gelegt. Ab jetzt wächst auf dem Gessner-Areal etwas Neues heran.

Vorzeigeprojekt in Sachen Verdichtung

Nationalrat Philipp Kutter, der das Projekt als damaliger Stadtpräsident von Anfang an begleitet hat, ordnete es in eine grössere Frage ein: Wo soll eine Gemeinde wachsen, und wie belebt man ihr Zentrum? Dieses Projekt gebe Antworten darauf, sagte Kutter: «Es schafft Wohnraum an zentraler Lage für alle Generationen.» Wer hier einziehe, habe praktisch alles vor der Haustüre. «Damit leistet die Gessner AG auch einen Beitrag zur Belebung des Zentrums. Durch die Menschen, die hier leben und arbeiten werden, sowie mit Treffpunkten, Restaurants und Läden. Das ist ein wichtiger Impuls für Wädenswil.»

Wärme aus dem Zürichsee

Auf dem Areal entsteht zugleich die Energiezentrale des neuen Fernwärmenetzes der Stadt. Statt Öl und Gas wird künftig Wärme aus dem Zürichsee genutzt, um Gebäude in Wädenswil zu heizen. Auf den Dächern des Areals kommen Photovoltaikanlagen dazu, Fassaden und Dachflächen werden begrünt.

«Wir nutzen die Wärme des Zürichsees, der vor unserer Haustüre liegt», sagte Jonas Erni, Stadtrat Werke und Verwaltungsratspräsident der Energieverbund Wädenswil AG. Klimaschutz könne auch Investition, Innovation und Entwicklung bedeuten.

Ein Gewinn für Wädenswil

Bis es jedoch so weit ist, führt kein Weg an den Baustellen vorbei, und die betreffen nicht nur das Areal, sondern auch die Strassen darum herum. Für das Fernwärmenetz baut die Stadt neue Leitungen, ein rund 300 Meter langer Abschnitt ist bis Ende Jahr nur einspurig befahrbar. Doch die Geduld lohnt sich. Denn, so war man sich an der Grundsteinlegung einig: Das neue Quartier wird ein Gewinn für Wädenswil.