AUS UNSEREM SEE – WÄRME FÜR GENERATIONEN

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AUS UNSEREM SEE – WÄRME FÜR GENERATIONEN

Die Stadt Wädenswil und das erfahrene Energieversorgungsunternehmen Energie 360° bauen gemeinsam eine Energielösung mit Zukunft. Nach der deutlichen Zustimmung von 66% der Wädenswiler Stimmbevölkerung im Februar dieses Jahres, wurde die Energieverbund Wädenswil AG Mitte Juni gegründet, welche den Energieverbund realisieren und betreiben wird. Wir haben dem Stadtrat und Verwaltungsratspräsidenten Jonas Erni und unserem HGV-Präsidenten Claudio Kägi zum Generationenprojekt etwas auf den Zahn gefühlt.

Energieverbund Wädenswil AG

Herr Erni, wie fühlen Sie sich als erster Präsident des Verwaltungsrats der Energieverbund Wädenswil AG?
Erni: Ich fühle mich gut und bin dankbar, in diesem einzigartigen Generationenprojekt als Verwaltungsratspräsident die Fäden ziehen zu dürfen. Wir haben ein tolles und engagiertes Team, das für den Energieverbund im Einsatz ist. Gemeinsam mit der Bevölkerung werden wir dafür sorgen, dass die Wärmeversorgung in Wädenswil Schritt für Schritt erneuerbar wird.

Sind Sie zufrieden mit dem Projektfortschritt? Wieviele Kundinnen und Kunden konnten Sie bereits für den Anschluss an den Energieverbund gewinnen? Wann können diese denn mit erneuerbarer Wärme aus dem Zürichsee rechnen?
Erni: Ich bin sehr zufrieden, vor allem aber froh, dass wir mit den Bauarbeiten nach einer langen Planungszeit nun endlich starten konnten. Von zahlreichen potenziellen Wärmekundinnen und -Kunden haben wir bereits vor der Volksabstimmung viel Zuspruch erfahren, obwohl damals noch offen war, ob die Wädenswiler Stimmbevölkerung dem Projekt zustimmen würde. Mittlerweile konnten bereits über 100 Wärmelieferverträge abgeschlossen werden. Dies entspricht etwa einem Viertel des gesamten Leistungspotenzials von 32 MW. Besonders erfreulich ist, dass darunter auch namhafte Abnehmer mit grösseren Überbauungen einen Vertrag abgeschlossen haben. Damit sind wir gemäss unseren Prognosen auf Kurs. Die ersten Wärmelieferungen mit dem Energieverbund sind auf Ende 2026 geplant.

Neben dem Ehrenamt als HGV-Präsident sind Sie Herr Kägi beruflich als Heizungs- und Sanitärfachmann unterwegs und leiten ein gleichnamiges Unternehmen in Wädenswil. Wie stehen Sie dem Energieverbund als Grossprojekt persönlich gegenüber und welche Berührungspunkte hatten Sie bisher mit Ihrer Firma?
Kägi: Wir durften in anderen Gemeinden bereits einige Fernwärme-Anschlüsse realisieren. Von Anfang an beim «Energieverbund Wädenswil» mit dabei zu sein, ist jedoch eine einzigartige Sache. Der Kontakt ist eng und der Austausch funktioniert sehr gut. Für mich persönlich ist es wichtig, dass alle Beteiligten voneinander profitieren können und sich gegenseitig helfen. Nur so wird es ein erfolgreiches Projekt, von dem schliesslich alle profitieren können.

Vereinfachtes Funktionsprinzip der energetischen Seewassernutzung. (Grafik: EVW AG)

Rund zwei Dritteln aller Wädenswiler Gebäuden steht in den nächsten Jahren ein Heizungsersatz bevor, weil diese heute noch mit Öl oder Gas beheizt werden. Warum empfehlen Sie Ihrer Kundschaft den Anschluss an den «Energieverbund Wädenswil»?
Kägi: Es ist eine grosse Herausforderung, vor allem den richtigen Zeitpunkt für den Heizungsersatz zu erwischen. Verschiedene Einflussfaktoren bestimmen schliesslich, welche Heizung für welches Gebäude am besten geeignet ist. Der Anschluss an den Energieverbund ist oft, aber nicht immer die richtige Lösung. Auf jeden Fall empfehlen wir, verschiedene Varianten mit genügend Vorlauf zu prüfen, um bei einem Ausfall der bestehenden Heizung schnell reagieren zu können.

Ist die Energieverbund-Lösung auch aus wirtschaftlicher Sicht interessant? Oder anders gefragt: Welches sind die Vorzüge, beispielsweise gegenüber einer Wärmepumpen-Lösung?
Erni: Wäre die Wärme aus dem Energieverbund mit anderen Lösungen nicht konkurrenzfähig, wäre das Projekt wohl gar nicht erst gestartet worden. Die Frage der Wirtschaftlichkeit hängt jedoch stark von der jeweiligen Betrachtungsweise ab – also davon, welche Faktoren einbezogen werden. Primär sind es natürlich die tiefen Investitions- und damit auch die kurzen Amortisationskosten. Verfügbares Kapital kann somit anders eingesetzt werden. Laufende Energiekosten sind mit der Energieverbund-Lösung stabil und dadurch planbar. Und schliesslich kann auch die bestehende Wärmeverteilung im Haus von der Öl- oder Gasheizung ohne grössere Eingriffe und Kostenfolgen bestehen bleiben.

Kägi: Auch in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit muss jedes Gebäude individuell angeschaut werden. Es gibt keine Universallösung, welche als «die Beste» gilt. Es kommt beispielsweise auf den Wärmebedarf an: je grösser der Bedarf, desto eher lohnt sich in der Regel der Anschluss an die Fernwärme. Es spielen jedoch noch weitere Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel ob eine aktive Kühlung über die Fussbodenheizung gewünscht wird. Eine solche lässt sich praktisch nur mit einer Wärmepumpe umsetzen. Ein bestehendes Heizungsverteilsystem mit klassischen Radiatoren, welches eine höhere Vorlauftemperatur benötigt, spricht hingegen klar für die Energieverbund-Lösung.

Mit dem Projekt wird die «Rundum-Sorglosigkeit» besonders hervorgehoben. Fällt das auch frankenmässig ins Gewicht?
Erni: Ja natürlich. Zu den Hausanschluss-Kosten gehören neben den Wärmeleitungen auch sämtliche Grabarbeiten und die sogenannte Wärmeübergabestation. Mehr ist für eine zuverlässige Energieversorgung auch gar nicht nötig. Zudem fallen während des Betriebs keine Unterhalts- und Wartungskosten an, wie etwa für eine Tankrevision oder den Kaminfeger. Kundinnen und Kunden des Energieverbunds haben somit einen einzigen Partner, der in der vollen Verantwortung steht.

Die lokale Wertschöpfung wird im Projekt ebenfalls stark betont. Wie kann sichergestellt werden, dass das heimische Gewerbe beim Bau des Energieverbunds berücksichtigt wird?
Erni: An erster Stelle steht natürlich unser Zürichsee als Energiequelle für die lokale Wertschöpfung. Mit der Beteiligungsmehrheit der Stadt Wädenswil (51%) ist aber auch das Eigentumsverhältnis an der Energieverbund Wädenswil AG klar lokal verankert. Und selbstverständlich achten wir auch bei den Arbeitsvergaben zur Realisierung des Fernwärmeprojekts darauf, dass geeignete lokale Firmen zum Zug kommen. Garantieren können wir das aber nicht in jedem Fall, da wir auch die Wirtschaftlichkeit und weitere gesetzliche Vergabekriterien einhalten müssen. Zudem sind wir eben gerade Mitglied des lokalen Handwerker- und Gewerbevereins geworden, was unsere Verbundenheit mit dem lokalen Gewerbe unterstreicht.

Als Präsident des HGV Wädenswil sind Sie bestimmt erfreut, dass die lokale Wertschöpfung gross geschrieben wird. Oder haben Sie da gewisse Vorbehalte?
Kägi: Aber sicher. Es läuft in Wädenswil diesbezüglich einfach nicht immer so rund. Auch mir liegt das lokale Wirtschaften sehr am Herzen. Dies wollen wir mit dem Handwerker- und Gewerbeverein (HGV) auch stärken. Etwa durch die Mitarbeit am Submissions-Leitfaden der Stadt Wädenswil, welcher die Vergabe von Arbeiten der öffentlichen Hand regelt. Die Gespräche dazu wollen wir mit dem neu gewählten Stadtrat nach den Wahlen 2026 wieder aufnehmen. Ganz generell müssen wir vermehrt Hand in Hand zusammenarbeiten. Für ein Generationenprojekt wie den Energieverbund gilt das erst recht.

Danke für das aufschlussreiche Gespräch. Wenn Sie, geschätzte Leserinnen und Leser, Interesse an einem Anschluss an den Energieverbund haben, prüfen Sie die Möglichkeiten am einfachsten online via www.energieverbund-waedenswil.ch.

Energieverbund Wädenswil AG
Rütibüelstrasse 5
8820 Wädenswil

Tel. 044 789 75 40
energieverbund@waedenswil.ch
www.energieverbund-waedenswil.ch

«Energieverbund Wädenswil» im Bau:
Oktober – 12. Dezember 2025:
Leitungsbau Eintrachtstrasse, Wädenswil

ab 20. Oktober 2025:
Baustart Seewasserleitung, Parkplatz «Rietliau», Au

ab 10. November 2025:
Leitungsbau Stegstrasse, Wädenswil