Den Sonnenhang zurückkaufen
Liebe Leserinnen und Leser
Neulich machte sich eine stattliche Delegation aus Wädenswil auf den Weg zur Sonnenseite des Zürichsees – nach Üetikon am See. Anlass war der 875. Geburtstag der Gemeinde. Und siehe da: Man hatte uns eingeladen. Uns! Die ehemalige Obrigkeit!
Denn tatsächlich: Rund 500 der 875 Jahre lang war Üetikon fester Bestandteil der Wädenswiler Herrschaft. Die gemeinsame Zeit begann 1287, als der letzte Freiherr Rudolf III. das Zepter dem Johanniterorden aus Bubikon übergab – der von da an in der Wädenswiler Herrschaft das Sagen hatte. Sie endete um 1800, als die Franzosen kurzzeitig die Eidgenossenschaft eroberten und neu organisierten. Seitdem ist Üetikon unabhängig. Naja, leider.
Denn der Besuch liess alte Gefühle wieder aufleben. In einem todernst gemeinten Grusswort dankte ich höflich für die Einladung, gratulierte artig – und machte klar: Aus heutiger Wädenswiler Sicht war es ein Fehler, Üetikon ziehen zu lassen. Wer gibt denn freiwillig ein Ferienhäuschen mit Südlage auf?
Es ist, wie wenn die Eltern das Chalet in Davos verkaufen und die Kinder Jahrzehnte später nur noch verständnislos den Kopf schütteln.
Nicht falsch verstehen! Ich liebe unsere Pfnüselküste – aber wir wissen alle: Die Sonne scheint kurz, und selbst in hochsommerlichen Nächten erkältet man sich ohne warme Decke. Unsere Stärken liegen darum ja nicht ganz zufällig in der Produktion von warmem Bettzeug (natürlich mit Federn von toten Tieren).
Darum schlug ich vor, Üetikon zurückzukaufen. Offiziell natürlich nicht wegen der Sonne – nein, aus sicherheitspolitischen Gründen. Das sei eine gute Begründung, habe ich gelesen. Und weil wir letztes Jahr Rekordeinnahmen bei der Grundstückgewinnsteuer hatten – das Kapital wäre da.
Die Reaktion? Zunächst verhalten. Aber beim Abendessen mit dem Gemeindepräsidenten wurde es konstruktiv. Vielleicht stehen wir ja bald vor einem «great Deal»? Ich halte euch auf dem Laufenden.
Philipp Kutter, Stadtpräsident